www.euro-bison.chÜber den BisonVerhalten der Bisons

Sozialverhalten

Bisons sind soziallebende Tiere. Innerhalb der Gruppe haben sie eine stabile soziale Rangordnung. Das bedeutet, dass das rangtiefere Tier vor dem ranghöheren ausweichen muss. Dennoch ist es nur mit erheblichem Aufwand möglich, ein einzelnes Tier aus dem Verband zu entfernen. Diese Eigenschaft erleichtert den Umtrieb von einer Weide zur nächsten. Wenn es gelingt, eine Kuh zum Ortswechsel zu veranlassen, folgen alle anderen. Eine besonders starke Bindung besteht zwischen der Kuh und ihrem Kalb. Gerät ein Kalb durch Zufall auf die andere Seite des Zaunes, dann versucht die Mutter zu folgen. Dies kann Anlass für das Entweichen der ganzen Herde sein. Stiere haben untereinander eine besonders strenge soziale Rangordnung. Das wird besonders zur Deckzeit im Sommer deutlich. Im Gegensatz zu den Kühen kämpfen sie gelegentlich heftig. Dabei kann es durch die Hörner zu erheblichen äußeren und inneren Verletzungen (Rippenbrüche, Organverletzungen) kommen. Auch Todesfälle sind möglich. Bei brünstigen Kühen genießt das ranghöchste männliche Tier ein Vorrecht. Es gestattet schwächeren nur in der Vorbrunst, sich mit den Kühen zu beschäftigen. Bei Eintritt der Hochbrunst verdrängt der Alpha-Stier diese jedoch und deckt die Kühe nahezu allein. Nur wenn er abgelenkt ist oder wenn mehrere Kühe gleichzeitig deckbereit sind, gelingt einem Rangtieferen ein Deckakt.

Fortpflanzung

Stiere und Kühe werden im allgemeinen mit gut zwei Jahren geschlechtsreif.

Die Bisonkuh ist saisonal polyoestrisch. Das bedeutet, dass sie in der Decksaison (Juli bis September) mehrfach brünstig wird, sofern sie nicht gedeckt wird und aufgenommen hat. Unter der Obhut des Menschen und bei guter Fütterung sind auch außerhalb dieser Zeit brünstige Kühe zu erwarten. Die Zykluslänge beträgt 21 Tage. Der Zeitraum zwischen Geburt und erster Brunst danach beträgt ungefähr zwei Monate. Bisonkühe rindern auch während der Laktation. Die Brunsterscheinungen der Bisonkühe entsprechen denen unserer Kühe. Die Scheide ist geschwollen, der Schwanz wird abgespreizt und lebhaft bewegt. Die Scheidenschleimhaut ist gerötet und sondert vermehrt Schleim ab. Bisonkühe in der Brunst bespringen den Stier und gelegentlich auch andere Kühe. Der Stier stellt am Geruch der Kuh fest, ob sie brünstig ist. Besonders in der Decksaison beriecht er immer wieder die Vulva der Kühe oder deren Harn. Je weiter die Brunst voranschreitet, um so intensiver hält der Stier Kontakt mit der Kuh. Er folgt ihr schließlich auf Schritt und Tritt. Der Deckakt verläuft wie beim Hausrind: Der Stier bespringt die Kuh und umklammert sie mit den Vorderbeinen. Anschließend führt er Suchbewegungen mit dem Penis aus. Ist die Vulvaöffnung gefunden, erfolgt der Nachstoß mit der Ejakulation. Die Kuh lässt sich in der Brunst gewöhnlich mehrmals decken. Alle Deckakte erfolgen innerhalb eines Tages; die Hochbrunst hält nur wenige Stunden an. Der Stier kann täglich wiederholt decken. Wenn mehrere Kühe gleichzeitig brünstig sind, kann er allerdings überfordert sein, oder die geminderte Samenqualität verringert die Fruchtbarkeitsrate. Einzelne Kühe rindern dann um. Deshalb sollten einem Stier nicht mehr als 15 Kühe zugeteilt werden, wenn eine gedrängte Abkalbesaison angestrebt wird. Gleichfalls um die Abkalbungen auf einen bestimmten Zeitraum zu begrenzen (leichtere Kontrolle der Geburten, gleichmäßige Entwicklung der Kälber), läßt man die Stiere nicht das ganze Jahr über bei den Kühen. Üblicherweise sind sie von Mai bis Oktober in der Herde. Sind mehrere Deckstiere vorhanden, dann werden sie während der übrigen Zeit des Jahres gemeinsam und von den Kühen getrennt gehalten. Ist im Betrieb nur ein Deckstier, dann sollte dieser in unmittelbarer Nähe der Herde untergebracht werden. Als weitere Möglichkeit bietet sich an, ihn gemeinsam mit der männlichen Nachzucht zu halten.

Geburt

Die Trächtigkeitsdauer liegt zwischen 270 und 300 Tagen. Bisonkühe haben im allgemeinen ein Kalb; Zwillinge sind selten. Das Geburtsgewicht der Kälber ist vergleichsweise gering. Es liegt bei 25 kg für Stierkälber und bei 20 für Kuhkälber. Die Geburten sind in der Regel komplikationslos. Sie fallen im allgemeinen in die Monate April bis Juni. Nur gelegentlich sondert sich die Kuh vor der Geburt von der Herde ab; häufig kalbt sie inmitten der anderen Kühe. Geburten sind nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden. Die Nachgeburt geht normalerweise innerhalb von einem Tag ab. Sie wird zumindest teilweise gefressen. In der Natur galt dies als Vorsichtsmassnahme, um keine Raubtiere aufmerksam zu machen. Wenige Minuten nach der Geburt beginnt das Neugeborene mit Aufstehversuchen. Ein gesundes Kalb kann innerhalb einer halben Stunde stehen. Meist kommen einzelne Herdenmitglieder, um das Kalb zu beschnuppern. Die Mutter lässt dies in der Regel geschehen, macht jedoch gelegentlich einen erregten oder sogar aggressiven Eindruck. In Einzelfällen wurde beobachtet, dass andere Kühe oder ein Jungstier gegenüber dem Neugeborenen angriffslustig waren. Mit zwei bis drei Jahren wird das Kalb geschlechtsreif; Bullen sind allerdings erst im Alter von sechs Jahren stark genug, um sich gegen Geschlechtsgenossen durchzusetzen und eine Paarung zu erkämpfen. Beeindruckend ist, dass eine Bisonkuh im Rekordalter von 35 Jahren noch immer ein gesundes Kalb zur Welt bringen kann.

Mutter - Kalb Verhalten

Die Kuh steht bei normalem Ablauf unmittelbar nach der Geburt auf und beleckt das Kalb. Wenn dieses einigermaßen sicher stehen kann, begibt es sich auf Eutersuche. Nach einer Stunde hat das Kalb in der Regel das Euter gefunden und saugt zum ersten Mal. Das Saugen geschieht aus der verkehrtparallelen Stellung heraus. Auf diese Weise kann die Kuh ihr Kalb geruchlich überprüfen. In den ersten Lebenstagen saugt das Kalb sehr häufig; der einzelne Saugvorgang ist kurz. Mit zunehmenden Alter nimmt die tägliche Zahl der Saugvorgänge ab, ihre Länge zu. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein drei Monate altes Kalb im Durchschnitt täglich 6 mal je 10 min trinkt. Im allgemeinen saugen Kälber im Alter von sechs Monaten nur noch gelegentlich an der Mutter; mit neun Monaten hören sie ganz auf. Es gibt aber auch Kälber, die dies bis zum Alter von einem Jahr und länger tun. Das gilt besonders dann, wenn die Kuh nicht wieder aufgenommen hat. Bisonkühe sind gute Mütter. Sie verteidigen ihr Kalb bei vermeintlicher Gefahr leidenschaftlich und gehen zum Angriff über. Das gilt insbesondere gegenüber Fremden, doch auch für vertraute Personen ist in dieser Zeit Vorsicht geboten. Vor allem wenn sie ihr Kalb säugt, sollte man sich einer Bisonkuh nicht nähern. Bisonkälber werden bei nutztierartiger Haltung gewöhnlich mit sechs Monaten abgesetzt. Dieses Absetzen ist ein kritischer Vorgang. Die Kühe versuchen noch längere Zeit, wieder Kontakt mit den Kälbern aufzunehmen und zu ihnen zu kommen. Sie können dabei Barrieren durchbrechen, die für unüberwindbar galten.

Nahrungsaufnahme

Wie unsere Hausrinder belecken Bisons erreichbare Körperteile und kratzen sich mit den Klauen. Insbesondere bei Ektoparasitenbefall und während des Haarwechsels haben Bisons die Neigung, sich an Gegenständen zu scheuern. Dies ist bei der Wahl von Zaunpfählen zu berücksichtigen. Es empfiehlt sich, in der Weide kräftige Scheuerpfähle oder handelsübliche Scheuerbürsten anzubringen, um den Zaun zu entlasten Bisons wälzen sich auch gern am Boden. Diese Verhaltensweise ist eine Form der Körperpflege, kann aber auch Erregung ausdrücken.

Bisons sind hauptsächlich Steppenbewohner (Prärie), die Gras und Kräuter fressen. Eine Unterart (Waldbisons) lebt allerdings auch im Wald und frisst zusätzlich Laub. Auf der Weide haben Bisons über den Tag verteilt ungefähr fünf Fressperioden von, je nach Futteraufwuchs, 1,5 – 2,0 Stunden. Diese Perioden sind durch Phasen der Ruhe, in denen sie wiederkauen, unterbrochen. Ein erwachsener Bison frisst täglich ca. 40 kg Grünfutter bzw. 12-15 kg Heu. Bei extensiver Haltung auf Weideflächen können Bisons sich durch eine 1 m dicke Schneeschicht bis zur Vegetation durchwühlen. Durch die starke Behaarung von Kopf, Hals und Brust sind sie dabei gegen Kälte geschützt. Bisons muss ständig sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Der durchschnittliche tägliche Wasserbedarf eines ausgewachsenen Tieres ist mit ca. 30 Litern anzusetzen, kann aber auch deutlich höher sein. Das gilt vor allem bei hohen Temperaturen im Sommer und bei ausschließlicher Heufütterung im Winter. Bei der Wasserversorgung ist besonders an laktierende Kühe zu denken, die allein mit der Milch täglich ca. 6 l Wasser abgeben.

Lokomotion

Die Vorstellungen vom Bewegungsbedürfnis des Bison werden durch Überlieferung geprägt. Sie sollen zwischen Sommer- und Wintereinstand jeweils hunderte von Meilen zurückgelegt haben. Diese Behauptung trifft nicht zu; Bisons haben keinen ausgeprägten Wandertrieb. Bei Weidegang beschränkt sich die Lokomotion auf die für das Grasen erforderliche Strecke. Hinzu kommen Wege zur Tränke, zum Ruheplatz oder zu schattenspendenden Bäumen. Insgesamt dürfte die täglich zurückgelegte Strecke unter mitteleuropäischen Verhältnissen nur wenige Kilometer betragen. Ein Bewegungsdefizit ist dabei nicht erkennbar. Bei (vermeintlicher) Gefahr flieht in freier Natur der ganze Verband. Dabei überrennen die Tiere alle im Wege stehenden Hindernisse. Eine solche „Stampede“ ist allerdings nur schwer auslösbar.