Einleitung
Der Bison war einst eine für Nordamerika charakteristische Tierart. Vor Ankunft der Europäer soll es dort 60-80 Millionen von ihnen gegeben haben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden aus unterschiedlichen Gründen die meisten Bisons abgeschossen. Als die Jagd eingestellt wurde, hatten nur wenig mehr als 800 Individuen überlebt.
Mitte des 20. Jahrhunderts begann man, Bisons in Nordamerika nutztierartig zu halten. Dies hatte mehrere Gründe: Sie sind anspruchslos und widerstandsfähig und können dort in manchen Gegenden besser als Hausrinder gehalten werden. Das Fleisch dieser Wildtiere ist sehr begehrt; man erzielt dafür deutlich höhere Preise als für Rindfleisch. Die Zahl der Bisons in nutztierartiger Haltung stieg rasch und beträgt dort gegenwärtig ungefähr 500.000. Abgesehen von der Haltung in Zoologischen Gärten gelangten die ersten Bisons in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Mitteleuropa. Ihre Zahl blieb zunächst gering, doch in Zusammenhang mit BSE stiegen Nachfrage nach Bisonfleisch und Preise für lebende Tiere. Gegenwärtig werden in Deutschland ungefähr 700 Bisons gehalten. In der Schweiz gibt es derzeit ein Dutzend Halter von Bisons.
Zoologische Systematik
Der Bison wird gelegentlich auch als Indianerbüffel bezeichnet. Im Sinne der Zoologischen Systematik ist er jedoch kein Büffel. Bisons und alle Arten der Gattung Bos unterscheiden sich deutlich von Büffeln (Wasserbüffel, Kaffernbüffel); sie sind nicht mit ihnen kreuzbar. Der Bison (Bison bison) und der Wisent (Bison bonasus) gehören beide zoologisch der Gattung Bison an. Gelegentlich werden sie auch als Unterarten ein und derselben Art angesehen, weil Kreuzungstiere zwischen diesen beiden Formen uneingeschränkt fruchtbar sind. Beide Arten sind auch mit unseren Hausrindern, die vom ausgestorbenen Auerochsen (Bos taurus) abstammen, kreuzbar. Tatsächlich kommen auch gelegentlich Kreuzungen zwischen Bison und Hausrind (Cattalo, Beefalo) sowie in Polen zwischen Wisent und Hausrind vor. Die männlichen Tiere einer solchen Kreuzung sind stets unfruchtbar. Die weiblichen Individuen dagegen sind fruchtbar; mit ihnen kann Verdrängungskreuzung betrieben werden.
Bisons haben einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Der Stier erreicht eine Widerristhöhe von 1,7 m und wird mühelos 900 kg schwer. Kann aber Spitzen von fast 1.5 Tonnen erreichen. Kühe sind mit 1,3 m Widerristhöhe erheblich kleiner; sie wiegen nur 500-600 kg. Die Behaarung des Bisons ist kastanien- bis schwarzbraun. Seine vordere Körperhälfte ist insbesondere im Winter stark bewollt. Das gilt vor allem für die Stiere. Da außerdem die Dornfortsätze der Brustwirbel sehr lang sind, wirkt der Bison vorn stark überbaut; der Hinterkörper scheint vergleichsweise schwach.
Die Hörner wachsen zunächst zur Seite und dann nach oben. Der Schwanz ist deutlich kürzer als bei unseren Hausrindern und endet in einer Quaste. Ältere Bisonstiere besitzen einen kräftigen Bart. Im Frühling findet ein Haarwechsel statt. Die Behaarung ist im Sommer wesentlich schwächer als im Winter. Bisons können über 30 Jahre alt werden. Dies hängt davon ab, ob sie in der Wildnis oder in kontrollierter Haltung leben. In höherem Alter nimmt die Fruchtbarkeit der Kühe ab; damit wird ihre Wirtschaftlichkeit geringer. Bisonkühe werden deshalb selten länger als 15 Jahre gehalten. Ältere Stiere sind zunehmend deckunlustig und schwierig im Umgang. Sie werden deshalb im allgemeinen spätestens mit zehn Jahren geschlachtet. Eine Besonderheit ist, dass der Bison 14 Rippenpaare und 5 Lendenwirbel besitzt im Gegensatz zum Hausrind, das 6 Lendenwirbel aufweist. Der Bison übersteht Rekordtemperaturen von bis zu -30 Grad Celsius problemlos. Das Fell des Bisons ist so dick, dass auf den Rücken der Bisons gefallener Schnee nicht schmilzt.
Verbreitung und Lebensweise
Der Bison war ursprünglich über fast ganz Nordamerika verbreitet. Er hat nicht nur in der Prärie (also einer Grassteppe) gelebt, sondern auch in den tieferen Regionen von Gebirgen sowie in den Wäldern Kanadas. Der Bison kann sich an unterschiedliche Klimabereiche anpassen.
Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Gras, aber auch aus Kräutern und Laub. Aus Nordamerika wird berichtet, dass er früher zwischen Sommer- und Wintereinständen große Strecken zurückgelegt hat. Belegt ist ein derartiges Verhalten jedoch nicht. Im Gebirge ziehen die in freier Wildbahn lebenden Bisons im Winter in tiefere Lagen, und im Frühling geht es in die Gegenrichtung. Mit einem unwiderstehlichen Zugzwang (wie bei Zugvögeln) und dadurch bedingten Ausbruchversuchen ist bei nutztierartiger Haltung nicht zu rechnen. In Nordamerika werden Bisons vorwiegend in menschenarmen Gebieten gehalten:
Im Norden des Mittleren Westens sowie in Kanada. Die Bisonhalter besitzen hier Ranchen von bis zu 400 km². Der weltweit größte Bestand steht auf der Ranch von Ted Turner in Montana/USA. Er besitzt 12.000 Tiere.
Klimaansprüche
Der Bison ist an die extremen klimatischen Bedingungen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes angepasst. Im Inneren Nordamerikas herrscht kontinentales Klima. Das bedeutet, dass die Sommer heiß und die Winter kalt sind. Es kommt hinzu, dass die großen begrenzenden Gebirge im Westen und Osten Nordamerikas Nord-Süd-Verlauf haben. Schlagartig können Wetterwechsel mit Blizzards auftreten.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass Bisons hiermit besser zurecht kommen als Hausrinder. Auch gegen die vergleichsweise hohen Niederschläge in Mitteleuropa ist der Bison durch sein Fell gut geschützt.







